Ablauf des 20. Juli 1944

Wolfsschanze, Bundesarchiv, Bild 146-1972-025-12 / CC-BY-SA.
Das Hitler Attentat war von langer Hand vorbereitet worden. Die Gruppe um Stauffenberg wollte einen militärischen Umsturz erreichen. Hitler sollte ausgeschaltet und die nationalsozialistische Herrschaft sowie der Krieg beendet werden. Im Gegenzug hätten die Verschwörer die militärische Befehlsgewalt und die Regierungsverantwortung übernommen. Der 20. Juli 1944 verlief allerdings anders als geplant.

Ca. 7.00 Uhr: Stauffenberg fliegt gemeinsam mit seinem Adjutanten Werner von Haeften von Berlin zum Führerhauptquartier "Wolfsschanze" (Rastenburg).

10.15 Uhr: Oberst Graf von Stauffenberg trifft mit von Haeften im Führerhauptquartier ein. Frühstück im Teehaus mit Rittmeister von Möllendorf (Adjutant des Lager Kdt., Oberstleutnant Streve). Aussprache mit General Fellgiebel (Chef der Wehrmacht. Nachr. Wesens) im Nachrichtenbunker. Dienstliche Unterredung mit General Buhle (Chef des Heeresstabes bei IOKW) und Generalleutnant von Thadden (Chef des Stabes beim Wehrkreisbefehlshaber I).

11.30 Uhr: Stauffenberg und von Haeften gelingt es nur, einen der beiden vorgesehenen Sprengsätze scharfzumachen. Diesen nimmt er in einer Tasche mit, den zweiten Sprengsatz lässt er zurück. 

12.35 Uhr: Stauffenberg betritt den Besprechungsraum. Das Gedränge verhindert, die Tasche mit dem Sprengstoff unmittelbar neben Hitler zu deponieren. Stauffenberg verlässt unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen, den Raum, nachdem er seine Aktentasche in die Nähe Hitlers rechts neben Oberst Brand am Tischende abgestellt hat. General Schmundt oder Oberst Brandt (K. Adm. Voss) schiebt die Tasche auf die Hitler abgewandte Seite des die Eichenplatte tragenden Sockels des großen Kartentisches (neben den Stenografen Berger).

12.42 Uhr: Die Sprengladung detoniert in dem mit 24 Personen besetzten Raum. Vier Personen werden getötet, fast alle Anwesenden werden verletzt. Hitler befindet sich unter den 20 Überlebenden. Die Sprengkraft eines Sprengsatzes allein reichte nicht aus. Die Tischplatte schwächte die Detonation zusätzlich ab. Auch die neue Position der Aktentasche war zu weit weg von Hitler. Erich Fellgiebel (1886-1944) lässt an die Mitverschwörer in Berlin weiterleiten: "Es ist etwas Furchtbares geschehen: Der Führer lebt!"

12.43 Uhr: Der wachhabende Leutnant der Wache 1 ordnet Sperre an. Schließung des Sperrkreises A durch den wachhabenden Leutnant.
12.44 Uhr: Stauffenberg und von Haeften passieren die Wache des Sperrkreises A.

12.45 Uhr: Auslösung des Alarms für beide Sperrkreise.
Stauffenberg wird an der "Außenwache" Süd durch Fw. Kolbe aufgehalten, erhält aber von Rittmeister von Möllendorf telefonisch die Erlaubnis zu passieren. Fahrt zum Flugplatz. (Unterwegs wirft von Haeften ein Paket mit Sprengstoff aus dem Wagen).

Gegen 13 Uhr: General Fellgiebel verhängt Nachrichtensperre über das Führerhauptquartier offenbar bis 15.30 Uhr.

12.50-14.00 Uhr:
In Berlin sollen unter dem Codewort "Walküre" alle Gestapo -, Partei- und SS - Dienststellen von der Wehrmacht besetzt werden. Fellgiebels nicht eindeutige Nachricht erreicht General der Infanterie Friedrich Olbricht. Er zögert, den "Walküre"-Alarm auszulösen. Nach der Bombenexplosion wird das Führerhauptquartier abgesperrt. Stauffenberg und Haeften können die Wachmannschaften täuschen und gelangen zum Flugplatz. Die beiden Attentäter starten zum Rückflug nach Berlin. Stauffenberg ist überzeugt, Hitler getötet zu haben.
13.15 Uhr, Rückflug Stauffenbergs und von Haeftens nach Berlin in einer He 111 (die auf Befehl des Generals Mertz von Quirnheim bereitgestellt worden ist).

15.00 Uhr: In Rangsdorf bei Berlin geben sie telefonisch die Meldung an die Bendlerstraße durch: "Hitler ist tot." Mertz von Quirnheim überredet den immer noch zögernden Olbricht, die Staatsstreicheinheiten zu alarmieren.

16.30 bis 17 Uhr: Stauffenberg telefoniert mit Oberstleutnant von Hofacker und berichtet ihm über das Attentat.
Die Aktion in Paris läuft an: Der höhere Nachrichtenführer, General Oberhäuser, erhält den Auftrag, den gesamten ihm unterstellten Funk- und Fernsprechverkehr zwischen Frankreich und Deutschland bis auf die Linie Berlin zu sperren und die Sender in Paris zu besetzen. Stadtkommandant von Groß-Paris Generalleutnant von Boineburg-Lengsfeld wird zum Befehlshaber General Carl Heinrich von Stülpnagel befohlen.

16.45 Uhr: Stauffenberg und von Haeften treffen in der Bendlerstraße ein. Der in das Attentat eingeweihte Generaloberst Friedrich Fromm (1888-1945), Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres, verweigert die Zusammenarbeit und wird daraufhin festgenommen.

17.00 Uhr: Auf Initiative von Hitler und Joseph Goebbels wird im Rundfunk das Überleben Hitlers gemeldet. Fast gleichzeitig erhalten die Stabsoffiziere die Fernschreiben mit den Anweisungen der Verschwörer. Die überwiegende Mehrheit der Offiziere verhält sich angesichts der widersprüchlichen Meldungen abwartend.

18.35 Uhr: Otto-Ernst Remer, Kommandeur des Wachbataillons in Berlin, meldet sich bei Goebbels und wird von diesem mit Hitler verbunden; letzterer befiehlt Remer, den er später zum Major ernennt, den Militärputsch sofort niederzuwerfen. Remer ist Hitler persönlich unterstellt. Er verlegt seinen Befehlsstand in das Vorzimmer Goebbels. Remer löst daraufhin die Absperrung des Regierungsviertels auf und beteiligt sich an der Niederschlagung des Staatsstreichs. Remer telefoniert mit Major Wackernagel (Cottbus), dieser meldet ihm, dass die Masse der Panzer Grenadier Einsatzbrigaden "GD" auf Königswursterhausen marschieren, um den Deutschlandsender zu besetzen.

22 Uhr: Oberst Stauffenberg gibt nach Paris an Oberst von Linstow durch: In Berlin ist alles verloren. 22.30 Uhr, der Sturm auf die SS-Unterkünfte setzte ein. Verhaftung des Generals Oberg. (Höherer SS- und Polizeiführer in Frankreich).

22.30 Uhr: Eine Gruppe regierungstreuer Offiziere verhaftet Stauffenberg und die Mitverschwörer. Fromm ordnet die sofortige Erschießung wegen Hoch- und Landesverrats an.

20./21. Juli: In der Nacht wird Claus Schenk Graf von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim und Friedrich Olbricht im Hof des Bendlerblocks erschossen. Ludwig Beck wird Gelegenheit zur Selbsttötung gegeben. Er wird nach einem misslungenen Selbstmordversuch ebenfalls erschossen.

21. Juli: Die Leichen der Erschossenen werden auf einem Friedhof mit ihren Uniformen und Ehrenzeichen bestattet. Himmler lässt sie wieder ausgraben und ordnet deren Verbrennung an. Ihre Asche wird über die Felder verstreut.

Gedenktafel Bendler Block. Foto: OTFW, Berlin, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Im Anschluss zum 20. Juli

Die Todesurteile der Widerstandskämpfer werden von Freisler vor dem Volksgerichtshof verlesen. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-C0718-0052-001 / CC-BY-SA.

Die Familien der Verschwörer wurden in "Sippenhaft" genommen. Unglücklicherweise wurde die Verbindung der militärischen mit zivilen Widerstandsgruppen aufgedeckt. So wurde nicht nur der engere Kreis der Verschwörer vom 20. Juli verhaftet und nach Schauprozessen vor dem Volksgerichtshof hingerichtet. Auch das weitere Umfeld der anderen Widerstandsgruppen war betroffen. Insgesamt wurden über 7.000 Personen verhaftet und bis Kriegsende wurden Tausende hingerichtet. Die Verfolgungswelle in Armeekreisen erreichte ein solches Ausmaß, dass die Kriegsführung gefährdet schien. Aber auch Beamte, Diplomaten und Weimarer Politiker wurden von Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Schnellverfahren abgeurteilt und hingerichtet. Andere prominente Opfer, wie Generalfeldmarschall Erwin Rommel, wurden zum Selbstmord gezwungen oder, wie Abwehrchef Canaris oder Dietrich Bonhoeffer, in KZ´s verschleppt und von der SS umgebracht. Keiner der Hauptbeteiligten und kaum einer der Mitwisser des Attentatversuchs vom 20. Juli 1944 überlebte. 

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